Nelson

Nelson

ist ein im Jahr 2004 von der Familie Kalhs gezogener Haflingerwallach nach Novill!

Seit Februar 2011 dürfen wir unseren Weg nun gemeinsam gehen, der wie alle Wege seine Täler und Berge hatte. Nelson war sozusagen roh, bedingt halfterführig und unerzogen. Er hatte zwar das Reitergewicht kennen gelernt, was sich aber auf vermutlich unvorbereitetes Aufsitzen und Tempoanpassung an die Ausreitkollegen beschränkte. Nelson war schon vor mir am Kleeberg und schon der erste Blick hat mich gefesselt. Somit nahm ich nach einiger Zeit die Herausforderung an, gemeinsam mit Nelson – auch nach den verstrichenen Jahren in denen Erziehung leichter gefallen wäre – einen gemeinsamen Nenner zu suchen. So begann unsere Reise mit kennen lernen, streicheln, anbinden, putzen, Hufe geben, den Anfangsspielen nach Parelli und bald dann auch mit Longenarbeit am Kappzaum. Das stellte mich wirklich vor eine Herausforderung – Nelson ging ab wie eine Rakete, zerrte mich durchs Viereck und verbrannte mir immer wieder die Handflächen. Damals hab ich seine Aktionen und Reaktionen auf seine Unerzogenheit, seine Unerfahrenheit und dem klassischen Ruf eines Haflingers zugeschoben. Heute weiß ich es besser – aber dazu unten mehr.

Da ich schon vor der Zeit mit meinem Nelson das Bedürfnis hatte einmal meinen Traum zu verwirklichen und mit Kindern und Pferden in Kombination arbeiten wollte, war es mir ein Bedürfnis zu testen in wie weit Nelson das Turnen auf seinem Rücken akzeptierte. Erstaunlicherweise war er bei dem Versuch mit einer Leistungsvoltigiererin unglaublich brav, akzeptierte jede Übung ohne mit der Wimper zu zucken und scheute nicht vor baumelnden Händen und Beinen. Das überzeugte mich noch einmal mehr, warum genau er mein Wegbegleiter wurde.

Dann ergab schnell eins das nächste. Mit meiner Nichte Denise gemeinsam begann Nelsons Weg als Reitpferd. Sie hat sich mit ihren 10 Jahren in seinen Sattel gesetzt und ihm meine Zeichen vom Boden aus quasi zu Reiterhilfen übersetzt. Ich danke ihr sehr für ihren Mut, ihre Ruhe, ihrem großartigen Talent, ihrem besonderen Gefühl fürs Pferd, ihre sensible Hilfengebung und ihrer beachtlichen Einstellung zur pferdegerechten Arbeit mit diesen Tieren. Nelson genoss ihre Unvoreingenommenheit ganz deutlich, reagierte sehr sensibel auf sie und ließ auch sie als Reiterin sehr wachsen.

Gleichzeitig begann Nelson’s Karriere als Kinderpferd und hatte einmal wöchentlich bis zu 24 kleiner Damenhände, die ihn beschmusten, putzten, lieb hatten, auf ihm turnten und einfach eine schöne Zeit mit ihm verbrachten. Dieser Tag war immer besonders, denn da war er ganz anders als sonst. Extrem rücksichtsvoll, ruhig, ausgeglichen, aufmerksam und sein Herz für Kinder wurde ganz, ganz deutlich.

Nelson, Denise, Stefanie

Im Dressurviereck machte er schnell eine gute Figur und zeigte sich mit viel Luft nach oben – so wollte ich meiner Nichte eine Freude machen und schenkte ihr eine Kursteilnahme, die viel Veränderung bedeutete. Nelson war nicht einfach, hatte eine ganz schwierige rechte Seite und war da kaum zu wenden, drückte weg und Zirkel oder Volten auf der rechten Hand waren immer ein Lottospiel. Wir taten es als sture Haflingereigenschaft ab und kämpften. Der größte Kampf fand dann dort innerhalb des Kurses statt, da der Trainer nicht locker ließ und ihn dazu zwang rechts herum zu gehen. Ein einschneidendes Erlebnis für uns alle.

Wieder zu Hause, auf gewohntem Boden in gewohnter Umgebung, wollte und konnte er nicht mehr. Bremste beim Reiten auch aus dem Trab heraus ab und wollte bocken – keine Chance mehr ihn nach vor zu bekommen. Ich konnte sein sauer sein verstehen – an Schmerzen dachte ich aber selbst hier noch nicht. Bis er dann eines Tages innerhalb einer Reitstunde an der Longe nicht mal mehr antraben wollte. Ich nahm alles von ihm runter und dann war zum ersten Mal eine Lahmheit am linken Vorderbein zu sehen, nicht viel und für ein ungeschultes Auge kaum zu beurteilen – aber da. In den nächsten Tagen kam dann das Ausmaß zum Vorschein und massive Verhärtungen der Schulter- und Halsmuskulatur seiner linken Seite wurden sicht- und tastbar! Er bekam Medikamente, wurde von Birgit regelmäßig massiert und stand im Solarium um die Muskulatur durch Wärme zu lockern! Und das braucht Zeit – viel Zeit! Nach Monaten und nach spürbarer Besserung der Härte der betroffenen Muskulatur war Nelsons Motivation, seine Bewegungsfreude und seine Energie noch immer nicht zurückgekehrt und ich wusste, dass ich daran nicht unschuldig bin. Er hatte dann immer wieder Höhen, in denen er sich am Knotenhalfter gern bewegte – die waren aber äusserst selten. Nach einigen Behandlungen und dem Einholen einiger Meinungen bekam ich dann die Diagnose, dass Nelson eine Fehlbelastung im Fesselgelenk hat was zu einer falschen Rotation führte und ihn dazu zwang eine Schonhaltung einzunehmen, die die betroffene Muskulatur schleichend verkleben und verhärten ließ. Um dem entgegenzuwirken entschied ich mich dann für einen Spezialbeschlag und die Besserung seines Gangbildes war schon nach ein paar Tagen deutlichst sichtbar! Nach einer Kontrolle mit Beschlag wurde Nelson dann zur Arbeit frei gegeben! Sein Körper war, bis auf minimale Reste von verhärteter Muskeln, geheilt. Was aber mehr Zeit braucht war bzw. ist seine Seele. Und die nehmen wir uns auch – ganz bewusst!

 

Für Nelson und uns als seine zweibeinigen Partner bietet HSH eine wundervolle Möglichkeit um wieder zu starten – gewaltfrei, pferdegerecht, harmonisch und genau nach dem Tempo, das nun er vorgibt! Für andere mögen seine Fortschritte minimal sein und eine Ewigkeit dauern – für mich und uns ist es großartig und eine Herzensfreude, wenn er motiviert, voll Elan, gut gelaunt und mit Spaßgesicht neben uns gut vorwärts Schritt marschiert! Wohin und wie weit er kommen wird – all das lassen wir offen und freuen uns über jeden Schritt, den er von sich aus mit uns gehen wird!

 

Für mich ist Nelson das Pferd, das mich zum umdenken brachte! Der mir deutlich zeigte, dass der klassische und überall verbreitete Weg bei ihm nicht funktioniert. Er sagte „Stopp“ und zwang mich nach Alternativen zu suchen. Ich hoffe er verzeiht mir all meine Fehler, die ich machen durfte um nun klüger zu sein und es besser zu machen und ich hoffe, glaube und wünsche mir aus tiefstem Herzen, das wir die Kurve noch früh genug bekommen haben!

Danke Nelson – meinem Lehrer!

 

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